Alpentour 1997 Gesamtfahrstrecke ca. 1130
km
Als wir in Stuttgart aufbrechen wollen, regnet es bei ungemütlichen
13°C. Wir sind nahe dran, hinterm Ofen zu bleiben und uns unsere Ausfahrt
abzuschminken.
Wir einigen uns darauf, wenigstens abzuwarten, bis
der Nieselregen aufhört, um nicht schon in Regenkombis losfahren zu
müssen. So kommen wir erst am frühen Nachmittag los und tatsächlich – bis
zur Schwäbischen Alb bleiben wir trocken. Ab Biberach regnet es dann aber
wieder und die Temperaturen sind nach dem Regen auch nicht gerade so, dass
wir auf eine Schicht Kleidung verzichten möchten. Im Allgäu bei Isny lese
ich auf einem Thermometer am Straßenrand zwei erbärmliche Grad ab – plus
immerhin! Wir quartieren uns schnellstmöglich auf einem Bauernhof in der
Nähe von Aach ein. Die Wirtin erzählt uns, dass es am Nachmittag hier noch
geschneit hatte! Ein bisschen freundlicheres Wetter hatten wir aber schon
bestellt!
Am nächsten Morgen geht es gut gefrühstückt und bei Kaiserwetter über
die Grenze nach Österreich. Wir haben Glück: Der
Hochtannbergpass (1679 m) war in der letzten
Woche noch gesperrt. Die Auffahrt
ist ein gigantisches Erlebnis. Rechts und links neben der Straße liegt
noch Neuschnee, die intensive Sonneneinstrahlung sorgt aber für
erträgliche Temperaturen und eine trockene Straße. Vorsicht ist allerdings
bei den Tunneldurchfahrten angesagt: Hier schimmert schon mal Eis im
Scheinwerferlicht.
Die Verbindung Warth-Lech ist noch gesperrt. Also fahren wir von Warth
durchs Lechtal. Bei einem Fotostop habe ich meine Schrecksekunde: Den Golf
GTI, der mit sicherlich 100 km/h angerauscht kommt, habe ich bei meinem
Wendemanöver einfach übersehen. Und so kann ich nur von Glück sagen, dass
der Fahrer allem Anschein nach sein Gefährt beherrscht. Nach kurzer
Vollbremsung löst er die Bremse und sticht durch die knapp drei Meter
breite Lücke zwischen mir und meinen Brüdern. Wenn ich das Rauchen nicht
schon längst gesteckt hätte, wäre dies der Zeitpunkt für eine Zigarette...
Da das Hahntennjoch noch Wintersperre hat, biegen wir in Stanzach rechts
ab ins Namloser Tal. Eine enge und wenig befahrene Straße führt uns über
Berwang nach Leermoos. Hier müssen wir uns in den Verkehr über den
Fernpass (1209 m) einreihen.
In Imst biegen wir ins Pitztal ein. Auch hier finden wir eine schöne
und um diese Zeit wenig befahrene Strecke bis zur “Endstation” Mittelberg
(1740 m). An der Talstation der Seilbahn begegnen uns Skifahrer. Da
inzwischen dichte Wolken die Sonne verhängen, ist es schon wieder
empfindlich kalt geworden und wir sind uns gar nicht so sicher, wer hier
eigentlich fehl am Platze ist.
In Wenns biegen wir links ab und fahren über ein einspuriges Sträßchen
zur Pillerhöhe (1556 m). Solche Straßen liebe ich: Prima
asphaltiert, kein Verkehr und tolle Landschaft. Wir suchen uns in Prutz
eine Bleibe und ergeben uns den kulinarischen Versuchungen. Es bedarf gar
nicht vieler Biere, um schon sehr früh in einen tiefen Schlaf zu fallen
...
Der nächste Tag beginnt wolkenverhangen, aber trocken. Wir überqueren
kurz nach Pfunds die Grenze in die Schweiz und je näher wir dem
Flüelapass (2383 m) kommen, um so mehr klart es auf. Am
Flüela selbst gibt es noch jede Menge Schnee, aber da die Sonne scheint,
nehmen wir uns die Zeit für ein paar Fotos.
Über Davos, Tiefencastel und Thusis ging’s auf recht vielbefahrenen
Hauptstrecken
nach Bonaduz, wo man unbedingt den Abzweig durch
die Rheinschlucht nehmen muss. Auch hier treffen wir wieder auf enge und
kaum befahrene Straßen, auf denen sich alle Nase lang ein lohnendes Motiv
für einen Fotostop ergibt. Ab Ilanz folgen wir nun wieder der 19 über
Disentis auf den Oberalppass (2044 m). Die Abfahrt mit
einigen langgestreckten Kurven macht richtig Laune: Wir waren schon
versucht, nochmal umzukehren. haben das dann aber nach einem Blick auf die
Uhr sein lassen.
Die Straße am Vierwaldstätter See entlang ist zwar relativ
vielbefahren, bietet dafür aber einiges fürs Auge. In Schwyz wird uns der
Verkehr aber dann doch zuviel, und so fahren wir über kleinere Straßen am
Ägerisee entlang Richtung Norden. Leider lässt sich Zürich aus dieser
Richtung so gut wie nicht umfahren, also müssen wir mittendurch. Ab Bülach
flüchten wir dann aber wieder auf Nebenstraßen, wobei sich mir die Frage
aufdrängt, was nerviger ist: einfach ein Stück auf der Autobahn oder der
Bundesstraße entlang zu rauschen oder auf reizvollere Nebenstraßen
auszuweichen und dafür an jeder Abzweigung auf der Karte nachschauen zu
müssen. Unsere genaue Fahrstrecke bis zum Rheinfall in Schaffhausen kriege
ich im nachhinein jedenfalls nicht mehr zusammen.
Da es dann aber nach der Besichtigung des Rheinfalls schon recht spät
geworden ist, entscheiden wir uns nun für die Variante I: Wir rauschen auf
möglichst geradem Weg über die B27 und A81 zurück Richtung
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