Deutschland Europa Asien Übersee Kleinanzeigen Bikerinfos Links Impressum Homepage


Eine Tour durch Frankreich

von Friederich Prinz

Im Juli 2001 mit dem Motorrad, im Juli 2002 zunächst mit dem Motorrad und dann im August mit dem Auto durch Frankreich - das waren Fahrten, in denen die Neugier auf unseren großen Nachbarn erst richtig geweckt wurde. Sonne, laissez faire, schöne Landschaften, freundliche Menschen, Wind um die Nase und viele, viele Stunden auf dem Motorrad - das wollte ich auch in diesem Jahr haben. Vom 29. Mai (Christi Himmelfahrt) bis zum 6. Juni 2003 war ich darum unterwegs; 9 Tage und 8 Nächte. Aber in diesem Jahr wollte ich Frankreichs Norden abklappern. Und dort gibt es Eines nicht - eine Garantie für sonniges Wetter.

Tatsächlich hatte ich, während die Menschen im "fernen" Deutschland im heißesten und trockensten Juni seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen litten, in 6 von 8 Nächten Regen. In einer Nacht, schon wieder tiefer im Süden, habe ich gleich zwei Gewitter aushalten müssen. Am nächsten Morgen stand das Wasser mehrere Zentimeter hoch im Rasen. Aber bereits am Nachmittag habe ich mir in nur zwei Stunden (ohne Handschuhe gefahren) einen so heftigen Sonnenbrand an den Händen eingefangen, dass ich ab dem darauf folgenden Tag ohne Handschuhe fahren MUSSTE.

Meine Route hat mich zunächst entlang der belgisch-französischen Grenze an die Kanalküste geführt. Von dort aus ging es konsequent an der Atlantikküste entlang, bis hinunter zum Kap Feret.Auf meiner Route lagen berühmte Städte wie Dünkirchen, Calais, Le Havre, Mont St. Michel, Saint Malo, Brest, Nantes, Carnac - und auf dem Rückweg Cognac und Paris. 4.162 km Spaß, Bilder, Motorradfahren - und am Ende das sichere Gefühl, noch mehrmals wieder hinzufahren. Frankreich ist eben einfach schön.

An der Kanalküste - und nicht nur dort - begegnet der Reisende auf Schritt und Tritt den Zeugen der älteren und jüngeren Geschichte Frankreichs. Bunkeranlagen, wie hier in Dünkirchen, die unsere deutschen Vorfahren dort hinbetoniert haben, stehen wie selbstverständlich in der Landschaft herum, im Schutz der Dünen, direkt neben einem Campingplatz. Warum auch nicht. Das ist sicher ein sehr solides, gleichmäßig kühles Lager. Die Franzosen sind in solchen Dingen viel pragmatischer als wir.

Die Gedenkstätten an Omaha Beach und Utah Beach werden natürlich sehr gepflegt. Und der amerikanische Schrott, der dort allerorten zu "bewundern" ist, wird gebührend bestaunt - von den Amis und den Tommys, die anscheinend nicht nur ihre aktuelle Identitätskrise durch eine Flucht in die Vergangenheit zu bewältigen trachten. Die pfiffigen Franzosen haben ihre ersten Hinweisschilder auf "Camping de Omaha Beach" bereits in der Bretagne stehen. Und an fast bei jedem alten, zerschossenen Panzer steht gleich eine Pommesbude. Amis und Tommys gehen ihrem Heldenkult nach, und Fritze sehen zu, dass sie solche Orte möglichst bald hinter sich lassen.

Ich wüsste auch nicht, was es hier zu bestaunen oder gar zu bewundern gibt. Von den vielen Menschen, die hier von ihren Generälen - hüben wie drüben - in den Tod geschickt wurden, war Niemand ein Held. Das Andenken an die furchtbaren Kriege nutzt aber nichts, wie die jüngeren, kriegerischen Ereignisse allzu deutlich zeigen.

Darum habe ich meine Photos flugs "von außen" gemacht, beinahe im Vorbeiflug, um mich endgültig der Atlantikküste zu widmen.

An den Stränden längs der Kanalküste findet man nicht nur in den Marinas ganz hervorragende Toilettenanlagen. Als "Wandervogel", ohne festen Anlaufpunkt, lernt man Solches schnell zu schätzen. Und wenn sowohl die Strände, als auch die Toilettenanlagen saisonbedingt leer sind, dann ist das ein Grund mehr, möglichst dicht "unter der Küste" entlang zu schaukeln und Frankreich zu genießen.

Das Wetter wurde am zweiten Tag auch richtig gut. Es war sonnig, aber nicht heiß. Wolken und heller Sonnenschein wechselten einander ab; gerade in dem Rhythmus, der bei einer Spazierfahrt weder ein Frösteln aufkommen lässt, noch zu Schweißausbrüchen führt.

Man fährt nicht schnell "am Wasser entlang". Ich war einige Tage jeweils gute 10 Stunden auf der Maschine; und habe trotzdem gerade einmal 300 km fahren können. Es gibt einfach ungeheuer Vieles zu sehen. Der Hafen von Fecamp ist so etwas Sehenswertes; jedenfalls für eine Landratte wie mich.

Damit die großen und kleinen Boote bei dem riesigen Gezeitenhub (bei Mt.St.Michel bis zu 14 m!) nicht allesamt trocken fallen, haben die Menschen sich in vielen Häfen mit einer Mauer geholfen. Innerhalb der Mauern wird das Wasser bei Ebbe mindestens so hoch gehalten, dass auch die längsten Kiele noch die berühmte handbreit Wasser unter sich behalten. Außerhalb der Mauern muss man bei Ebbe laufen; kilometerweit.

Es braucht einiges, wenn man sich "satt sehen" will. Die Küste der Normandie ist lang, wunderschön, an vielen Stellen verträumt (jedenfalls außerhalb der Feriensaison) und voller Einladungen zur nächsten Rast.

weiter

 

zurück