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Rumänien 2003

Ein Bericht von Ralf und Eva
Nach dem letztjährigen verregneten Sommer wollen
wir den Karpaten eine erneute Chance geben. Zudem haben wir
unseren „Götterboten" Bärti dabei, der uns viel Sonnenschein
versprach. Die Anreise verläuft recht unspektakulär, so verlieren
unsere Ténérés nur ein bisschen Öl. An der ersten Tankstelle
müssen wir ein bisschen mit der Kurbelwellengehäuseentlüftung (was
für ein Wort) improvisieren und an beiden Motorrädern ein
Vitamindöschen als Auffangbehälter befestigen. Bis zu unseren
Freunden Julia und Walter (
Globebiker
) fahren wir abwechselnd auf Autobahn und Landstraßen. Vom Vorjahr
„gewarnt", planen wir direkt 2 Tage bei Julia und Walter ein, die
auch sofort den Grill anschmeißen, als unsere Ténérés vor dem Haus
eintrudeln. Ach ist das herrlich, so lassen wir den Urlaub
gemütlich angehen und verbringen ebenso den Sonntag in gemütlicher
Runde in Krapfenau.
Doch diesmal wollen wir auf dem schnellsten Wege in Draculas
Heimat und ballern auch in Österreich über die Autobahn. Eine
Übernachtung bei den lieben Winzern in Rohrendorf bei Krems an der
Donau unterbricht unsere langweiligen Autobahnetappen. Es ist
wahnsinnig heiß und wir sind froh endlich im Garten unser Zelt
aufzuschlagen und zu duschen. Im Gegensatz zum letzten Jahr
bleiben wir keinen weiteren Tag, obwohl wir uns beim Winzer sehr
wohl fühlen. Wir wollen nach Rumänien und das Wetter spielt noch
immer mit. Weiter auf der Autobahn bis zur Grenze, dann über die
gut ausgebauten Bundesstrassen durch Ungarn. Nun ja, wir können
diesem Land nicht so viel abgewinnen und sind froh, am nächsten
Tag in Rumänien die Karpaten zu erreichen. Genau wie im letzten
Jahr sind die Grenzformalitäten innerhalb weniger Minuten
erledigt. Für einen Euro bekommen wir beim Geldumtausch in einer
der Wechselstuben ca. 36.200 Lei, somit werden wir auch diesmal
innerhalb weniger Sekunden zu Millionären.
Der richtige Urlaub beginnt für uns erst an der Grenze nach
Rumänien, wo wir sofort Kurs auf die Westkarpaten nehmen.
Schlagartig ändern sich Umgebung und Menschen. Die kleinen Orte
sind nun auch wieder typisch rumänisch, durch das Dorf führt eine
Teerstrasse, rechts und links von Wiesenstücken eingerahmt, dort
zweigen die nicht asphaltierten Wege zu den anderen Häusern ab, die
nicht an der „Hauptstrasse" liegen. Dazu laufen die Gänse kreuz
und quer durch die Gegend und schnattern ganz wild, wenn wir mit
unseren Enduros durch das Dorf fahren.
Oft werden wir von den Kindern angestarrt, sobald wir winken ist
die Scheu verloren und sie lächeln und grüßen. So viele Motorräder
scheinen sich noch nicht in das östliche Europa verirrt zu haben,
denn in den folgenden 4 Wochen treffen wir keine 10 Motorradfahrer
und wenn mal einer auftaucht, so hält er nicht mal an. Anders war
dies auf unserer Südamerikareise, wo man gerne Erfahrungen
austauschte.
In der Nähe des Ortes Halmagiu wundern wir uns über ein Schild,
welches auf einen Campingplatz hinweist, nun ja, wir sind heute
schon genug gefahren und wollen es uns mal anschauen. Nach ein
paar Kilometern erreichen wir hinter dem Dorf Halmagel tatsächlich
ein eingezäuntes Gelände, welches den Namen „Campingplatz",
zumindest in unserer westlichen Welt nicht verdient. Der Ort hat
Charme und es kostet nur € 1,50 pro Person, so entschließen wir
uns zu bleiben, auch wenn wir für das Geld, außer fließendem
Quellwasser und einer Wiese direkt am Bach, nicht viel geboten
bekommen. Das erinnert ja schon fast an die legendären
Teschtreffen ;-) - nur etwas günstiger! Mit dem netten Freund des
alten Besitzers verständigen wir uns in einem Mix aus französisch,
spanisch, deutsch und englisch. Dieser bringt uns auch zugleich
ein paar gartenfrische Tomaten und reine Kuhmilch. Dieser
intensive Geschmack der naturbelassenen Kost ist mit unseren, in
den Supermärkten erhältliche Nahrungsmittel wirklich nicht zu
vergleichen.
Am nächsten Tag wollen wir unsere rumänischen Freunde in der Nähe
von Sighisoara / Schäßburg besuchen. Auf der Karte entdecke ich
kleine Verbindungsstrassen, die uns ohne Umwege über die
Hauptstrassen von Brad nach Blaj bringen sollen. Wie so oft dauern
diese Abkürzungen länger als geplant, bereichern unsere Reisen
aber umso mehr, da sie durch einsamere und unberührtere Gegenden
führen.
In diesem Jahr bewegen wir uns überwiegend auf den ganz kleinen
eingezeichneten Wegen der Shell-Karte, die uns an manchen Tagen
wahrlich nicht mal mehr an Wanderwege erinnern lassen. Aber
deswegen haben wir ja auch die lange Reise auf uns genommen. Wie
schön ist es bei bestem Motorradwetter auf unbefestigten Wegen
unterwegs zu sein und einfach an den Stellen zu zelten, die uns
gefallen! So bleiben wir spontan 2 Tage am Lacul Vidra, und
genießen die Einsamkeit in den Bergen.
Diese Anreise hatte es in sich, so wollen wir mal wieder ein
Abkürzung fahren und gelangen immer tiefer in die Wälder der
Karpaten, sobald wir auf Bauern stoßen, erkundigen wir uns nach
dem Weg, der ist allerdings kaum noch als solcher zu erkennen und
führt uns über Felder, Wiesen bis in die tiefen Wälder hinein. Als
wir nach 3 Stunden und 40 Kilometern auf ein Dorf stoßen sind wir
erleichtert und legen erst mal eine Pause ein. Bärti tropft der
Schweiß aus den Ärmeln seiner Membran-Jacke, wir haben es da mit
dem Rukka Air Power Anzug schon etwas besser. Natürlich schwitzen
wir auch, aber dank der der herausnehmbaren Gore-Tex Membran läuft
uns nicht der Schweiß in sämtliche Ritzen.
Ein weiteres Highlight unserer Reise ist der Urdele-Pass, er ist
mit 2145 Metern der höchste Pass in Rumänien. Die Auffahrt beginnt
hinter einer wackeligen Holzbrücke in deren Nähe einige
Waldarbeiter unter den einfachsten Bedingungen hausen, so haben
sich diese aus Ästen, Zweigen und Plastikplanen ihre Unterkunft
gezimmert. In einer noch bewaldeten Gegend, auf einfachen
Waldwegen gelangen wir an einem verlassenen Bauernhof vorbei,
immer wieder plätschern neben der Piste kleine Rinnsale, die im
letzten Jahr wesentlich bedrohlicher auf uns wirkten.
Nun erreichen wir bald die Baumgrenze, wir fühlen uns an die
wildromantischen Westalpen erinnert und genießen es bei
strahlendem Sonnenschein im Enduroparadies zu sein. In Serpentinen
gelangen wir die letzten steinigen Kilometer hinauf zum Urdele.
Oftmals müssen wir an „Onkel Pitje" (Peter) denken, den wir auf
dem schön gelegenen Zeltplatz, hoch über Sighisoara / Schäßburg
gelegen, kennen lernen durften. Im Ort findet eine Art
musikalisches Folklorefestival (ProEtnica Festival Sighisoara /
Schäßburg) statt. Unser „Onkel Pitje" reist allein auf einer alten
125er
2-Takt Suzuki Enduro durch den wilden Osten und hat sich das Ziel
Odessa in der Ukraine auf die Fahnen geschrieben. Zu unserer
Überraschung hat er sogar eine Gitarre im Gepäck. Zugegebenermaßen
hielten wir ihn für ein bisschen seltsam, erst recht, als er
meint, unten auf dem Festival spielen zu wollen. Nun ja, so gehen
wir in den Ort hinunter und staunen nicht schlecht, als sich Peter
an der großen Bühne zum Soundscheck anmeldet und tatsächlich ein
paar Flamencostücke zu seinem Besten gibt. Da waren wir doch sehr
positiv überrascht, anschließend ziehen wir durch die sagenhafte
Altstadt, wo an fast jeder Ecke musiziert wird. Nun können wir
unseren Augen nicht mehr trauen, als Peter beginnt mit einem
Flötenspieler auf musikalische Weise zu kommunizieren, schon bald
gesellen sich nach und nach ein Akkordeonspieler und ein Trommler
dazu. Wir und viele andere bestaunen dieses multikulturelle
musikalische Zusammentreffen. Zu guter letzt wird diese Aktion
auch noch vom rumänischen Fernsehen aufgenommen und die Musiker
interviewt.
Peter ist ganz begeistert und trinkt noch ein Bierchen mit den
Musikern, während wir uns um die historische Vergangenheit von
Sighisoara kümmern und die Altstadt erkunden.
Hier ein Link zu Peter Wirths Homepage: (
flamenco-world)
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