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Die „very basic- but nice – Tour“

Ein Bericht von Matthes

 

Es war Anfang 1999, als wir, mein Freund Thomas und ich, beschlossen, dieses Jahr nach Schottland zu fahren und dort einen 3-wöchigen Motorradurlaub  zu verleben.

05.06.99
Mein erster Blick galt dem Himmel, hmm, bewölkt, aber es regnet nicht. So weit, so gut, hoffentlich bleibt es den ganzen Tag so. Vollgetankt und mit geprüften Luftdruck kann es nun endlich losgehen. Unser heutiges Etappenziel soll die Jugendherberge in Kleve sein, denn wir wollten nicht bis Rotterdam in einen Ritt durchheizen. Aber was heißt hier eigentlich „heizen“, mit unseren Koffern dürfen wir ja eh nur 120 km/h fahren.
Vor uns lagen ca. 430 km Fahrt. Ein großer Nachteil ist, dass wir für die ersten 60 - 70 km, bis zur Autobahn, fast nur Ortschaften auf unserer Route haben, also kommt man recht unflott voran. Nach knapp 1½ h haben wir es dann doch auf die Autobahn geschafft. Und es ist noch trocken. Aber es blieb nicht lange so. Ab ungefähr Kassel begann es zu regnen, mal mehr, mal weniger und es hörte bis Dortmund nicht auf. Sollte das etwa eine Einstimmung auf schottisches Wetter sein?
Auf jeden Fall wollte ein rechtes Urlaubsgefühl noch nicht aufkommen. In Kleve angekommen, waren wir natürlich viel zu früh da, denn die Jugendherbergen haben mittags geschlossen und öffnen erst später wieder. Wenigstens hat sich das Wetter gebessert. Was also tun? Relaxen und die Sonne in’s Gesicht scheinen lassen, wer weiß, wie oft wir dazu in Schottland noch Gelegenheit haben werden. Auf jeden Fall haben wir dann doch noch unsere Betten bekommen und konnten schon ein bisschen von Schottland träumen, zumindest ab der Zeit, als der Chor aufhörte, seine Choräle durch das Haus zu hämmern.

06.06.99
Und wieder galt mein erster Blick dem Himmel, das wird sich auch für die nächsten drei Wochen nicht ändern, von ein paar Ausnahmetagen abgesehen. Es war wieder einmal bewölkt, also war alles möglich. Jetzt ging’s erst mal zum Frühstück. Aber das war ja wohl das schlimmste, was ich jemals in einer JH als Frühstücks-Zeremonie erlebt habe. Man bekam seine Brötchen auf Zuteilung, jeder nur ein Brötchen. Aber was soll’s, dann essen wir eben Schwarzbrot. Einigermaßen gut gestärkt machten wir uns auf unsere ca. 150 km „lange“ Etappe zum Europoort-Terminal nach Rotterdam. Auf den niederländischen Autobahnen hatten wir mit erheblichen Seitenwinden zu kämpfen, und als der Himmel in Fahrtrichtung sich immens in’s Graue verfärbte, hielten wir und zogen vorbeugend unsere Regenklamotten an. Und wie es sich erwies, war das eine gute Idee, denn auf einmal, von einen Meter zum nächsten erwischte uns ein Wolkenbruch, der nach 10 min. wieder verschwunden war. Aber während dieser 10 min. hatten wir ganz schön leiden müssen. Wir suchten eigentlich eine Tankstelle, damit wir uns irgendwo unterstellen konnten, denn das Weiterfahren erschien uns ziemlich gefährlich, da vor allem die Lkws ihr Tempo nicht verringerten, sonder nur hupten. Sicherheitshalber sind wir auf dem Standstreifen weitergefahren, bis wir dann eine Tankstelle erreichten. Die ganze Fahrspur war ein einziger See. Nach ein paar Minuten war der ganze Spuk vorbei, und wir setzten unsere Fahrt fort.


Und kamen gegen Mittag am Fährterminal an, nachdem wir schon ca. 20 km nur durch Hafengelände gefahren sind (wir hatten uns nicht verfahren, Rotterdam besitzt den größten Seehafen des europäischen Festlandes). Auf jeden Fall hatten wir ein paar Stunden um uns auszuruhen, den Kaffeeautomaten zu plündern, unsere Sachen zu ordnen und was man eben noch so macht, wenn man Zeit hat. Wir durften dann auch als erste Motorradfahrer in die Fähre und unseren Motorräder in der oberen Etage abstellen. Nur gut, dass wir eigene Spanngurte mit Ratschen dabei hatten, so konnten wir unsere Maschinen sicher verzurren. Allerdings waren wir viel zu schnell fertig. Durchgeschwitzt und mit der Gewissheit eine Kabine mit Bett zu haben, gingen wir erst einmal duschen, was für eine Wohltat. Als ich dann an Deck an der Reling stand und dem Schiff beim Auslaufen aus dem Hafen zuschaute, stellte sich ein Gefühl ein: „So, jetzt hast Du Urlaub!“ - und ich fühlte mich gut.

07.06.99
Nach einer doch recht ruhigen Nacht mit relativ wenig spürbaren Seegang, genossen wir das ausgiebige Frühstück an Bord.
Als es dann soweit war, das man das Fahrzeugdeck betreten durfte, fanden wir unsere Motorräder, wie erhofft, stehend vor.
Und auch das Linksfahren stellte sich nicht, wie von vielen behauptet, als Problem dar.
Das Wetter war nicht gerade freundlich, es war neblig („Kleine Welt heute“ - bemerkte ein niederländischer Fährpassagier treffend) und es regnete. Es war kein starker Regen, eher so ein penetranter Dauer-Nieselregen. Aber der Vorteil war, wir haben damit gerechnet.Am heutigen Tag lagen 340 km Regenfahrt vor uns, bis wir im ersten größeren Ort auf schottischen Boden unsere Zelte aufschlugen. Und zwar auf dem Jedburgh Water Camping & Caravan Site.
Wie wir später noch bemerken sollten, gibt es unter den schottischen Campingplätzen ein paar, die ihren eigenen kleinen „Zoo“ haben, hier waren es kleine Wildhasen, die so ohne Scheu vor den Campern über den Platz hoppelten und wenn man in den frühen Morgenstunden aus dem Zelt kommt, kann es passieren, dass man 10 - 20 Hasen zählen kann. Aber nichts desto trotz kann ich den Campingplatz in Jedburgh nur weiter empfehlen.

08.06.99
Es regnet nicht, und so können wir unsere Zelte trocken einlegen. Vom Warden (Campingplatzverwalter) erhielten wir 2 Ermäßigungen für ein Frühstück in der Jedburgh Whoolen Mill auf der anderen Straßenseite. Den nahmen wir natürlich dankend an. Zum englischen Frühstück hatten wir: gebackene Bohnen, gebratenen Schinken, Rührei, Toast (wahrscheinlich frittiert, so fettig wie der war) und Bratkartoffeln. Jetzt werden manche sagen,: „Das ist doch nicht komplett!“ - aber dazu später mehr.
Nach diesem ausgiebigen und fettreichen Frühstück fuhren wir weiter in Richtung Edinburgh. Unseren ersten Zwischenstop legten wir am „Scott’s View“ ein, wo wir für ein paar Minuten die Ruhe und den beeindruckenden Ausblick über die schottischen Borders genießen konnten, bis wir von ein paar äußerst tief fliegenden Tieffliegern wieder zurückgeholt wurden. Weiter ging’s, nach Melrose.

Von hier wollten wir eigentlich ein Backpacker-Hostel in Edinburgh buchen, aber da mein englisch nicht zu 100% telefonkompatibel ist, und ich darüber hinaus, wie gewünscht, keine Kreditkartennummer angeben konnte, verwarfen wir den Plan und suchten uns eben im ADAC-Campingführer wieder einen Campingplatz. Als wir nach entspannter Fahrt, ganz ohne Regen, in Edinburgh ankamen, sind wir erst einmal immer in Richtung City Centre gefahren, wo mir dann meine Erinnerungen an meinen ersten Schottlandaufenthalt 1996 weiterhalfen, und wir ohne Probleme den Weg zum Castle fanden. Wir hielten uns aber nicht lange auf und nachdem ein paar japanische Touristen sich freuten „ihre“ Motorräder zu sehen, machten wir uns auf den Weg zu unserem Campingplatz, es war der Mortonhall Caravan & Camping Park. Ein sehr schön gelegener ruhiger Zeltplatz etwas außerhalb der Stadt, aber durch die alle 15min fahrenden Busse ideal mit dem Zentrum verbunden. Das schöne an Mortonhall ist, es war mal ein ehemaliger Golfplatz und deswegen ist es leicht hügelig und wunderschön grün.

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