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Von Motorrad-Tourer.com (Text und Bilder)

Vor wenigen Tagen ging die IFA - Internationale Funkausstellung 2010 in Berlin zu Ende. Wie man hörte, war diese Messe sowohl hinsichtlich der Zahl der Aussteller, der Besucherzahlen als auch des Umfangs abgeschlossener Aufträge sehr erfolgreich.

Schon seit einiger Zeit ist diese Consumer-Messe nicht mehr nur noch auf die Themenbereiche Hörfunk und Fernsehen beschränkt, das Angebot ausgestellter Artikel wurde deutlich erweitert. Da auch das Thema Navigation einen Platz auf der IFA einnahm, erschien es interessant, sich damit aus Sicht eines Motorradfahrers, der gerne auch etwas längere Touren zurücklegt, zu befassen.

Was macht ein „motorradtaugliches“ Navigationsgerät aus? Nun, je nachdem, wen man fragt, wird es auch dazu unterschiedliche Antworten geben. Für mich haben mehrere Aspekte eine entscheidende Bedeutung:

Zunächst sollte das Gerät für den je nach Straßenbelag auch mal besonders harten Einsatz am Motorrad ausreichend stabil gebaut und gegen Erschütterungen geschützt sein. Hier wird man in der Praxis die geringsten Probleme antreffen denn bereits sehr preiswerte Navigationsgeräte, die eigentlich für den Einsatz in Autos konzipiert sind, genügen diesen Anforderungen in aller Regel.

Als nächstes ist eine stabile und sinnvolle Verankerung des Geräts am Motorrad notwendig. Hier bieten diverse Zubehörlieferanten mehr oder weniger taugliche Haltevorrichtungen an. Aber spätestens beim Thema Stromversorgung bekommt man in aller Regel ein Problem mit den Auto-Navigationsgeräten: Für diese ist eine Stromversorgung via Zigarettenanzünder meist beim Kauf vorhanden. Für den Einsatz am Motorrad ist also eine solche Steckdose bzw. ein solcher Zigarettenanzünder notwendig, was an nur einer begrenzten Anzahl von Motorrädern der Fall ist. Man kann diese Steckdosen für kleine Beträge und mit wenig handwerklichem Geschick nachrüsten (lassen), sollte aber bei der Positionierung die relativ großen Stecker, die für den Navibetrieb nötig sind, berücksichtigen.

Hier sehen wir dann auch die ersten Vorteile sog. Motorrad-Navigationsgeräte: Ergänzend zur hersteller- oder typenspezifischen Halterung gibt es Stromkabel, die für einen direkten Anschluss an die Batterie vorgesehen sind und somit sehr komfortabel und dauerhaft verlegt werden können.

Aus meiner Sicht ist die Wasserdichtigkeit des Gerätes von entscheidender Bedeutung: Auch bei bester Tourenvorbereitung kann man oftmals nicht ausschließen, doch plötzlich in einem Regenschauer zu landen. Die gut gemeinten Ratschläge, doch ein preiswertes PKW-Navigationsgerät in eine wasserdichte Schutztasche oder unter die Sichtfolie von Tankrucksäcken zu stecken, weisen zwei Probleme auf: Das eine ist die Durchführung des Stromkabels: An dieser Stelle ist es schwer, absolute Wasserdichtigkeit zu gewährleisten. Wer als zweites schon einmal versucht hat, das häufig eh nicht besonders helle Display eines PKW-Navigationsgerätes durch die Folie einer derartigen Schutztasche zu betrachten, wenn dann wieder gerade mal die Sonne genau darauf scheint, gibt ziemlich bald auf.

Also bleibt nur ein wasserdichtes Gerät, wobei heutzutage IPX 7 der maßgebliche Standard ist aber dann auch bereits die Preisspirale in die Höhe treibt. Dafür haben diese Geräte, die von den Herstellern gerne als spezielle Motorrad-Navigationsgeräte angeboten werden, dann auch schon ausreichend helle Displays, um auch die optische Orientierung im Sonnenschein zu ermöglichen.

Für mich selbst spielt aber auch noch ein anderer Faktor eine entscheidende Rolle: Als jemand, der auch gerne mal längere Touren oder auch Reisen unternimmt (im Sommer 2010 habe ich z. B. Eine 8-Länder-Tour mit 6 Hauptstädten in 6 Tagen auf dem Motorrad durchgeführt, vgl. www.Motorrad-Tourer.com/eigene-reiseberichte bzw. www.Motorrad-Presse.com/reiseberichte) ist eine Planung der Route in aller Ruhe daheim wichtig. Das geht mit unterschiedlicher auf dem Markt befindlicher Software oder auch online, beispielsweise bei gpsies.com, metzelermaps, mopedmaps oder diversen anderen Portalen. Anschließend wird die so erarbeitete Route via USB auf das Navigationsgerät gespielt und kann danach auf zwei Rädern abgefahren werden.

Dieses Vorgehen setzt voraus, dass das Navigationsgerät in der Lage ist, eine relativ große Anzahl von Wegepunkten zu speichern und zu verarbeiten, um dann durch deren Verbindung den Track zu berechnen, der dann tatsächlich gefahren wird. Auch hier scheitern die meisten PKW-Navigationsgeräte, weil sie selten mehr als 10 Wegepunkte („Zwischenziele“) verarbeiten können. Für den üblichen Einsatz im Auto ist das völlig ausreichend, aber für eine präzise Planung mit Auffinden der schönsten Motorradstrecken reicht das selten aus.

Also machte es durchaus Sinn, auf der IFA zu schauen, was die Hersteller von Navigationsgeräten für den Motorradfahrer im Angebot haben. Das Ergebnis sei vorweggenommen: ich möchte es als enttäuschend bezeichnen.

Einzig GARMIN hat aktuell eine Auswahl mit drei Geräten mit dem Nüvi 550, dem ZUMO 220 sowie dem ZUMO 660 für Motorradfahrer im Angebot. Bei Preisen von etwa 400 bis 700 Euro (teilweise noch zzgl. der Kosten für die Halterungen) ist das aber kein preisgünstiges Vergnügen. Dabei liegen preislich wie technisch das Nüvi sowie das kleine ZUMO 220 relativ dicht beieinander, während das ZUMO 660 nicht nur mit dem größten Display (4,3“), sondern auch mir der umfangreichsten Funktionalität aufwartet. So verfügt es über einen Fahrspurassistenten, Routenplanungssoftware, Trackingfunktion zum Aufzeichnen der gefahrenen Strecke sowie Offroadfunktionen.

Der kleine Bruder ZUMO 220 ist in der Funktionalität etwas abgespeckt (bei deutlich geringerem Preis), lässt sich aber ebenso gut wie das Flaggschiff mit Motorrad-Handschuhen bedienen: auch das ist gerade auf längeren Touren und bei unerwarteten Umleitungen, Baustellen etc. sehr nützlich. Beiden Geräten wird die garmineigene Routenplanungssoftware für den heimischen Rechner beigelegt, die zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, dann aber recht komfortabel ist.

Während die ZUMO-Serie klar auf den Motorradfahrer fokussiert ist, kommt das Nüvi 550 allround eher aus der Ecke der PKW-Navigationsgeräte: Zwar ist auch Wasserdichtigkeit nach IPX 7 gegeben, aber die Bedienung mit Handschuhen wird deutlich schwieriger. Interessant bei diesem Modell ist der Wechselakku, so dass man ggf. auch mit einer solchen Ausstattung auf das Verlegen der Stromversorgung am Motorrad verzichten kann.

Die eigentliche Neuerung bei Garmin betrifft alle drei Geräte: Da alle drei Modelle mit Kartenmaterial für Europa ausgestattet sind, ist das Abonnement für Karten-Updates (Life Maps) eine interessante Alternative: Hier erhält man gegen eine einmalige Zahlung das Recht, für die gesamte Lebensdauer des jeweiligen Navigationsgerätes bis zu viermal im Jahr ein dann kostenloses Kartenupdate zu erhalten. Der bislang dafür am Vertragsbeginn zu zahlende Einmalbetrag von 119 Euro wurde kurz vor der IFA gesenkt und beträgt jetzt nur noch 89 Euro. Ich werde darauf am Ende dieses Artikels noch zurückkommen.

Der große Mitbewerber im Bereich der Motorradnavigation TomTom erschien in diesem Marktsegment auf der IFA jedenfalls für mich nicht überzeugend: Hardwareseitig wurde das schon seit längerem bekannte Rider II ohne technische oder sonstige Änderungen ausgestellt. Und auch auf der Softwareebene gab es keine Neuerung: Aktualisierungen für das Kartenmaterial gibt es auch hier etwa viermal im Jahr, wobei der Preis für die europaweite Aktualisierung jeweils bei etwa 70 Euro liegt (die erste Aktualisierung nach dem Kauf ist kostenlos). Insgesamt ist also von TomTom von keiner auf der IFA vorgestellten Neuerung zu berichten.

Kann man dagegen von einer Neuerung sprechen, mit der Becker aufwartet? Dieser Hersteller hatte in der Vergangenheit mit dem Crocodile ein Navigationsgerät auf dem Markt, welches seine Liebhaber unter den Motorradfahrern fand: Preislich war es im Vergleich zu den Platzhirschen immer ein Schnäppchen. Es war auch wasserabweisend (Achtung: kein IPX 7-Standard, somit u. U. bei Schlagregen problematisch). Allein die Tourenplanung am heimischen PC mit anschließender Übertragung der Route war nicht möglich; die Tourenplanung musste etwas umständlich am Gerät selbst vorgenommen werden. Dafür bestach es äußerlich mit einem sehr ansprechenden Outfit, dass sich positiv von so manch einem „Klotz“ der Konkurrenz abhob.

Wer genau gelesen hat, ahnt es schon: Ich nutze in meinen Ausführungen die Vergangenheitsform, da die Produktion dieses Gerätes eingestellt wurde, ohne dass ein Ersatz- oder Nachfolgemodell vorgesehen ist: Becker verabschiedet sich somit von dem Markt der Motorradfahrer und geht insoweit einen Weg konsequent weiter: Schon seit einiger Zeit häuften sich Stimmen, die über negativ verändertes Serviceverhalten insbesondere bei auftretenden technischen Schwierigkeiten berichteten.

Auf der IFA habe ich mich zugegebenermaßen erstmals mit den Produkten von a-rival, einem deutschen Unternehmen aus Hannover auseinandergesetzt. Der Vertrieb dieser Produkte erfolge zum einen über den hauseigenen Internetshop, zum anderen aber auch über die großen Elektronikmärkte.

Mit dem NAV-PNX35M hat die Baros GmbH immerhin auch ein Modell für die Motorradnavigation im Angebot. Dieses Gerät wird zu einem Preis von nur etwa 300 Euro incl. Kfz-Halterung, Motorrad-Halterung und den entsprechenden Stromversorgungen sowie einer Sonnenblende und einem Bluetooth-Headset ausgeliefert. Es erfüllt auch die IPX 7-Norm und verfügt über ein mit Handschuhen bedienbares Display, wobei man diese Aussage etwas relativieren muss:

Zunächst überrascht das Gerät mit einem Display im Hochkantformat. Die Zieleingabe erfolgt über Buchstabenfelder, die im Touch-Display erscheinen. Kleiner Wermutstropfen: Diese Buchstabenfelder sind allerdings derart klein, dass sie nicht mit Handschuhen bedient werden können. Das heißt, die Zieleingaben muss zu Beginn der Fahrt oder bei unterwegs eintretendem Änderungsgrund mit dem bloßen Finger oder aber einem ebenfalls vom Hersteller mitgelieferten Stick erfolgen.

Ist die Route dann eingegeben, können alle weiteren Funktionen (vergrößern/verkleinern des Kartenausschnitts, Verändern der Lautstärke, Sperren unterschiedlich langer Streckenabschnitte wegen z. B. Baustellen, etc.) gut mit Handschuhen angesteuert werden. Mir ist bislang noch unklar geblieben, ob denn eine Routenplanung am PC mit anschließendem Übertragen auf das Navigationsgerät möglich ist: Der Hersteller wirbt einerseits mit der Tourenplanung mit beliebig vielen Zwischenzielen, beschränkt dies allerdings gleichzeitig auf den „Onboard“-Betrieb. Nicht zuletzt ist das ein Grund, warum ich mich um ein Testgerät des Herstellers bemühen werde, um dieses preisgünstige Gerät genauer zu betrachten und dann über meine Erfahrungen zu berichten.

Auch für dieses Gerät werden etwa vier Kartenaktualisierungen pro Jahr angeboten, die für das Europa umfassende Material auch bei jeweils etwa 70 Euro liegen werden. Hier ist ebenfalls die erste Aktualisierung nach dem Kauf kostenlos.

Da ich ansonsten auf der IFA keine weiteren Angebote zur Motorrad-Navigation entdecken konnte, bleibt mir nicht mehr als mein Fazit:

Mit dem Angebot von a-rival gibt es ein Produkt, welches sich schon allein wegen des günstigsten Anschaffungspreises aller motorradtauglicher Navigationsgeräte lohnt, genauer anzuschauen. Dem gegenüber steht Becker, die sich vom Markt der Motorradfahrer verabschiedet haben, sowie TomTom, bei denen zumindest die Innovationsfreude momentan in andere Bahnen gelenkt ist. Lediglich Garmin bietet eine Auswahl an, wobei wir hier aber auch die Spitze der Preisschraube finden. Hier ist jeder selbst gefordert, für sich zu überlegen, wie häufig er Aktualisierungen des Kartenmaterials benötigt: Je weniger Aktualisierungen nötig sind, um so mehr dürften die Angebote von TomTom (bewährte und bekannte Qualität, viele im Internet verfügbare POIs, funktionierende Routenplanung am PC) oder a-rival (günstiger Kaufpreis, umfangreiche Serienausstattung, deutscher Anbieter) interessant sein. Werden dagegen häufige Aktualisierungen des Kartenmaterials für sinnvoll erachtet, kommt man an Garmin kaum vorbei, die ebenfalls mit bewährter Qualität und funktionierender PC-Routenplanung aufwarten und für die ebenfalls viele POIs im Netz verfügbar sind. Hier fängt es sich bereits ab der 2. Aktualisierung an, zu rechnen: Aktualisierungs-Fetischisten können so bei einer angenommenen Lebensdauer eines Gerätes von vielleicht 5 Jahren also etwa bis zu 1250 Euro sparen, wenn sie jedes update mitnehmen wollen.

Man sieht, dass somit nicht nur der Kaufpreis allein, sondern auch Service, Funktionalitätsumfang sowie Folgekosten bei einer Kaufentscheidung berücksichtigt werden wollen. Hoffen wir auf die nächste IFA und darauf, dass es dort für uns Motorradfahrer wieder eine größere Auswahl gibt, um uns die Entscheidungsfindung wieder etwas zu erschweren, aber auch zu verschönern.

©Motorrad-Tourer.com

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